Oberflächen & Veredelung · 28. April 2026
Galvanik, Lackierung und weitere Oberflächenbehandlungen für Zamak-Druckgussteile
Erfahren Sie, welche Oberflächenbehandlungen für Zamak wirklich funktionieren, wie Sie das richtige Verfahren wählen und welche Voraussetzungen das Gussteil mitbringen muss.
Wer Zamak-Druckgussteile bestellt, denkt zuerst an Maßhaltigkeit und mechanische Eigenschaften – doch spätestens beim Muster entscheidet die Oberfläche über Akzeptanz oder Nacharbeit. Galvanik, Lackierung, Passivierung, Pulverbeschichtung: Die Auswahl an Oberflächenbehandlungen ist groß, die Unterschiede in Qualität und Eignung erheblich. Dieser Artikel gibt Ihnen eine praxisnahe Übersicht, damit Sie bereits in der Konstruktionsphase die richtigen Weichen stellen.
Warum die Oberflächenbehandlung bei Zamak besondere Sorgfalt erfordert
Zamak (Zinklegierungen nach EN 12844, z. B. ZP3, ZP5, ZP2, ZP8) hat einen vergleichsweise niedrigen Schmelzpunkt von rund 400 °C – gegenüber 660 °C bei Aluminium. Das ermöglicht dünnwandige, feindetaillierte Gussteile mit engen Toleranzen von bis zu 0,05 mm. Genau diese Feinheit macht die Oberfläche jedoch empfindlich: Mikroporen, Einschlüsse oder Trennmittelrückstände, die beim Druckguss entstehen, können bei der anschließenden Oberflächenbehandlung sichtbar werden oder Haftprobleme verursachen.
Hinzu kommt, dass Zink in alkalischen und stark sauren Milieus zu interkristalliner Korrosion neigt, wenn das Galvanikbad nicht korrekt auf das Substrat abgestimmt ist. Eine enge Abstimmung zwischen Gießerei und Oberflächendienstleister ist daher keine Option, sondern Pflicht.
- Dichte, porenfreie Gusshaut – keine Kaltfließstellen oder Lunker im Bereich sichtbarer Flächen
- Saubere Entformung ohne Trennmittelrückstände (Einsatz dosierbarer, galvanikverträglicher Trennmittel)
- Entgratung und ggf. Kugelstrahlen (Shotblasting) als Vorbereitung vor der Beschichtung
- Korrekte Legierungswahl: ZP3 und ZP5 eignen sich besonders gut für Galvanik und dekorative Beschichtungen
Die wichtigsten Verfahren im Vergleich
Nachfolgend finden Sie die gebräuchlichsten Oberflächenbehandlungen für Zamak-Druckgussteile mit ihren typischen Eigenschaften, Einsatzbereichen und Einschränkungen.
| Verfahren | Typische Schichtdicke | Hauptvorteil | Typischer Einsatzbereich |
|---|---|---|---|
| Galvanik (Kupfer/Nickel/Chrom) | 8–30 µm | Hoher Glanzgrad, Korrosionsschutz, Dekor | Beschläge, Armaturen, Möbel, Automotive |
| Zinkphosphatierung + Lackierung | Phosphat 2–5 µm + Lack 60–120 µm | Gute Lackhaftung, preiswert | Industrieteile, Schlösser, Gehäuse |
| Pulverbeschichtung (elektrostatisch) | 60–100 µm | Robuste Oberfläche, breite Farbpalette | Beleuchtung, Möbel, Außenanwendungen |
| Chemische Passivierung (Chromatierung) | 0,1–1 µm | Oxidationsschutz, Haftgrund | Technische Teile, Elektronikg ehäuse |
| PVD-Beschichtung | 0,5–5 µm | Hochwertige Metalloptik, verschleißfest | Premium-Armaturen, Sanitär, Design |
| Nasslackierung (flüssig) | 30–80 µm | Flexibel, auch für komplexe Geometrien | Dekorteile, Sonderfarben, Kleinserien |
Galvanik auf Zamak: Der Standardprozess Schritt für Schritt
Die Galvanik ist die am häufigsten gewählte Oberflächenbehandlung für Zamak-Druckgussteile in der Möbel-, Sanitär- und Automobilbranche. Der klassische Aufbau für Glanzverchroming umfasst mehrere Schichten:
- Entfettung und Beizen – Entfernung von Ölen, Trennmitteln und Oxidschichten in milden alkalischen Bädern, um die Zinkoberfläche nicht anzugreifen.
- Kupfervorschicht (sauer oder alkalisch) – Ausgleich von Mikroporen und Aufbau einer gleichmäßigen Leitschicht; Schichtdicke typisch 8–15 µm.
- Glanzkupfer oder Halbglanznickel – Weitere Nivellierung der Oberfläche, Korrosionsbarriere.
- Glanznickel – Dekorschicht mit hoher Reflexion, 5–10 µm.
- Dekorchrom oder Trivalentchrom – Abschlussschicht, 0,2–0,5 µm; sorgt für charakteristischen Chromglanz und Anlaufschutz.
Entscheidend ist, dass das Zamak-Gussteil vor der Galvanik keine offenen Poren an der Bauteiloberfläche aufweist. Schon kleinste Lunker können sich im Galvanikbad mit Elektrolyt füllen und nach der Beschichtung aufbrechen – das Ergebnis sind Blasen oder Abplatzer. Eine geschlossene, dichte Randschicht beginnt beim Werkzeugdesign und beim Gießprozess selbst.
Lackierung und Pulverbeschichtung: Wann welches Verfahren sinnvoller ist
Während die Galvanik metallischen Glanz und hohe Dekoransprüche bedient, ist die Lackierung die wirtschaftlichere Wahl für funktionale Teile oder wenn breite Farbfreiheit gefragt ist. Bei der Pulverbeschichtung muss allerdings die Einbrenntemperatur (üblicherweise 160–200 °C) beachtet werden: Zamak verträgt diese Temperaturen grundsätzlich, da der Schmelzpunkt deutlich darüber liegt, doch Eigenspannungen im Bauteil können bei dünnen Wandstärken zu Verzug führen. Auch hier ist eine dichte Gusshaut Voraussetzung, denn Pulverfarbe füllt keine Poren, sondern macht sie sichtbarer.
Die Nasslackierung bietet mehr Flexibilität bei komplexen Geometrien, da der flüssige Lack besser in Hinterschneidungen eindringt. Für Sondereffekte wie Metallic-Looks, strukturierte Oberflächen oder kundenspezifische RAL-Farben ist sie die erste Wahl – allerdings mit höherem VOC-Aufwand und Trocknungszeiten.
- Dekorativ + metallisch glänzend → Galvanik (Kupfer/Nickel/Chrom) oder PVD
- Farbig + robust + Außeneinsatz → Pulverbeschichtung mit Phosphatierungsgrund
- Sonderfarbe + Kleinmenge + komplexe Geometrie → Nasslackierung
- Technischer Korrosionsschutz ohne Dekoranspruch → Passivierung oder Zinkphosphatierung
- Sichtfläche mit engster Toleranz → Schichtdicke im Designmaß berücksichtigen (bis 30 µm bei Galvanik)
Konstruktionshinweise für bessere Beschichtungsergebnisse
Die Qualität der Oberflächenbehandlung hängt zu einem großen Teil von der Bauteilkonstruktion ab. Einige praxiserprobte Empfehlungen:
- Entlüftungskanäle und Angussposition so wählen, dass Sichtflächen frei von Kaltfließstellen bleiben.
- Wandstärke gleichmäßig halten – abrupte Übergänge fördern Poren an der Oberfläche.
- Radien statt scharfer Kanten bei galvanisierten Teilen, da scharfe Kanten zu Schichtausdünnungen neigen.
- Aufhängepunkte für die Galvanikgestelle bereits im Entwurf vorsehen (z. B. unsichtbare Bohrungen), um Kontaktspuren zu vermeiden.
- Toleranzangaben im Zeichnungskopf explizit als „vor Beschichtung” oder „nach Beschichtung” kennzeichnen.
Der Ansatz von Micrometal: Gussteile, die für die Beschichtung bereit sind
Micrometal produziert seit 1991 Zamak-Druckgussteile in Erbusco (Brescia) und verarbeitet bis zu 75.000 kg Zinklegierung pro Monat auf 7 Druckgießmaschinen (20–90 t Schließkraft, Marken Agrati, Italpresse und Frech) sowie 4 vollautomatischen Roboterzellen mit Kawasaki- und ABB-Robotiksystemen. Die Werkzeuge werden im eigenen Werkzeugbau gefertigt und in drei vertikalen Regalsystemen mit einem Gesamtgewicht von 185.000 kg verwaltet – ein klarer Vorteil für Wiederholserien mit kurzen Rüstzeiten.
Für Kunden, die Teile galvanisieren oder lackieren lassen, legt Micrometal besonderen Wert auf eine porendichte Bauteiloberfläche: optimierte Einspritzparameter, kontrollierter Trennmitteleinsatz und systematische Qualitätskontrolle nach ISO 9001. Auf Wunsch werden Musterteile vor der Serienfreigabe beim Beschichter bewertet, um Überraschungen in der Produktion zu vermeiden. Mehr zu den verarbeiteten Legierungen (ZP2, ZP3, ZP5, ZP8 nach EN 12844) finden Sie unter Zinklegierungen für den Druckguss.
Einen vollständigen Überblick über alle verfügbaren Oberflächenbehandlungen und Veredelungsmöglichkeiten finden Sie auf der Seite Oberflächen & Behandlungen. Die Branchenanwendungen reichen von Schloss- und Sicherheitstechnik über Automotive bis hin zu Beleuchtung und Möbelbeschlägen.
Optimierte Einspritzparameter und Werkzeugentlüftung minimieren Poren auf sichtbaren Flächen.
Enge Maßhaltigkeit erleichtert die Planung der Beschichtungsaufmaße bereits in der Konstruktionsphase.
Lückenlose Qualitätsdokumentation für jedes Los – Grundlage für reproduzierbare Beschichtungsergebnisse.
FAQ – Häufige Fragen zur Zamak-Oberflächenbehandlung
Teile, die für die Beschichtung bereit sind – ab dem ersten Schuss
Sprechen Sie mit uns über Ihre Anforderungen an Oberfläche und Beschichtung – wir berücksichtigen sie bereits beim Werkzeugdesign.
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