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LEGIERUNGEN & WERKSTOFFE · 19. Mai 2026
Schmelztemperatur Zamak Druckguss: vollständiger technischer Leitfaden
Solidus, Liquidus, Einspritztemperatur 440–460 °C und Vergleich der Legierungen ZP3, ZP5, ZP2 und ZP8 nach EN 12844.
Die Schmelztemperatur von Zamak im Druckguss ist der thermische Schlüsselparameter, der den gesamten Warmkammer-Druckgiessprozess definiert: Sie bestimmt die industrielle Machbarkeit, die Standzeit des Werkzeugs, die Oberflächenqualität des Druckgussteils und sogar die zuverlässige Haftung nachgelagerter galvanischer Beschichtungen. Die vier nach EN 12844 genormten ZP-Legierungen schmelzen in einem außerordentlich engen Intervall zwischen rund 379 °C und 390 °C, werden jedoch bei deutlich höheren Temperaturen – typischerweise 440–460 °C – eingespritzt, um optimale Fließfähigkeit und vollständige Formfüllung zu gewährleisten. Dieser technische Leitfaden klärt abschließend den Unterschied zwischen Schmelzpunkt, Einspritztemperatur und Betriebstemperaturgrenze, vergleicht die Legierungen Zamak 3, Zamak 5, Zamak 2 und ZP8 und erläutert, warum Micrometal mit 11 Warmkammer-Druckgussmaschinen im Werk Erbusco (Brescia, Italien) die Temperaturregelung als zentralen Qualitätsparameter betrachtet.
Was ist die Schmelztemperatur von Zamak: Solidus, Liquidus und Erstarrungsintervall
In der Metallurgie gibt es für eine Legierung keinen einzigen „Schmelzpunkt” – es existieren zwei unterschiedliche Temperaturen. Die Solidustemperatur ist jene Temperatur, unterhalb der die Legierung vollständig fest ist; die Liquidustemperatur ist jene, oberhalb der sie vollständig flüssig vorliegt. Dazwischen erstreckt sich das Erstarrungsintervall, eine zweiphasige Zone, in der feste Kristalle und flüssige Phase gleichzeitig koexistieren. Je enger dieses Intervall ist, desto gleichmäßiger verläuft die Erstarrung und desto höher ist die Reproduzierbarkeit der Maßhaltigkeit des Druckgussteils.
Zamak ist eine Familie zinkreicher Legierungen mit typischer Zusammensetzung: Zink ~96 %, Aluminium ~4 %, Magnesium in Spurenmengen (0,03–0,06 %) sowie Kupfer in unterschiedlichen Anteilen je nach Variante (von ~0,25 % bei Zamak 3 bis zu ~2,7 % bei Zamak 2). Das Aluminium mit 4 % ist der eigentliche thermische Schlüsselbestandteil: Es bringt die Legierung nahe an den Zn-Al-Eutektikumspunkt und komprimiert das Erstarrungsintervall auf lediglich 5–10 °C. Diese Eigenschaft – charakteristisch für ZP-Legierungen im Vergleich zu ZA-Legierungen mit hohem Aluminiumgehalt (8–27 %) – ermöglicht den Zamak-Druckguss im Warmkammerverfahren mit sehr kurzen Zykluszeiten.
Für eine vertiefte Betrachtung der Chemie und der Eigenschaften der Zinklegierungen für den Druckguss verweisen wir auf das entsprechende Werkstoffdatenblatt. Die europäische Klassifizierungsnorm ist EN 12844, ergänzt durch EN 1774 für Ausgangslegierungen.
Schmelztemperaturen der vier EN-12844-Legierungen: ZP3, ZP5, ZP2 und ZP8 im Vergleich
Die vier nach EN 12844:1998 genormten Legierungen teilen eine Zn-Al-Basismatrix, unterscheiden sich jedoch im Kupfergehalt und – im Fall von ZP8 – auch im Aluminiumanteil. Diese chemischen Unterschiede, so gering sie auch erscheinen mögen, verschieben das Solidus-Liquidus-Intervall geringfügig und verändern die mechanischen sowie thermischen Eigenschaften des fertigen Druckgussteils erheblich.
Zamak 3 (ZP3) ist die weltweit meistverwendete Legierung und die Referenz für den Großteil industrieller Anwendungen. Mit nahezu eutektischer Zusammensetzung weist sie ein Schmelzintervall von 381–386 °C, eine Wärmeleitfähigkeit von 113 W/m·°C und ein engstes Erstarrungsintervall von nur 5 °C auf – die bevorzugte Legierung für Maßhaltigkeit und hochwertige galvanische Oberflächen.
Zamak 5 (ZP5) enthält rund 1 % Kupfer: Das Schmelzintervall bleibt praktisch identisch (380–386 °C), doch das Druckgussteil gewinnt bei gleicher Prozesstemperatur an Härte und mechanischer Festigkeit. Zamak 2 (ZP2) mit ~2,7 % Cu besitzt ein Intervall von 379–390 °C: höhere Härte und Festigkeit, jedoch geringfügig erweitertes Erstarrungsintervall. ZP8 mit ~8 % Aluminium und ~0,8 % Kupfer ist die Speziallegierung für erhöhte Betriebstemperaturen und Kriechbeständigkeit.
| Legierung EN 12844 | Al (%) | Cu (%) | Solidus (°C) | Liquidus (°C) | Wärmeleitfähigkeit (W/m·°C) |
|---|---|---|---|---|---|
| ZP3 (Zamak 3) | ~4,0 | ≤0,25 | 381 | 386 | 113 |
| ZP5 (Zamak 5) | ~4,0 | ~1,0 | 380 | 386 | 109 |
| ZP2 (Zamak 2) | ~4,0 | ~2,7 | 379 | 390 | 105 |
| ZP8 | ~8,0 | ~0,8 | 375 | 404 | 115 |
Die Tabellenwerte basieren auf den Spezifikationen der EN 12844:1998 und technischen Patenten der Branche (US Patent 10,960,463; US Patent 6,564,856). Die internationalen Entsprechungen sind in ASTM B86 geregelt (Alloy 3 = ZP3, Alloy 5 = ZP5, Alloy 2 = ZP2) sowie in ISO 301. Bei den Anwendungen von Zamak 5 und den anderen Varianten muss die Legierungswahl im technischen Angebot stets unter Nennung der Bezugsnorm angegeben werden.
Warum der niedrige Schmelzpunkt Zamak ideal für den Warmkammer-Druckguss macht
In der Warmkammer-Druckgusstechnologie gibt es eine kritische thermische Schwelle: rund 450 °C. Oberhalb dieser Temperatur beginnen Metallschmelzen, die eisernen und stählernen Maschinenkomponenten – insbesondere den im Bad eingetauchten Gooseneck (Schwanenhalszylinder) und den Einspritzkolben – erheblich anzugreifen und zu erodieren. Genau deshalb erfordern Aluminium (Schmelzpunkt ~660 °C) und Magnesium (~650 °C) zwingend das Kaltkammerverfahren, bei dem das Schmelzbad vollständig vom Einspritzzylinder getrennt ist.
Zamak mit einem Liquidus von 386–390 °C und einer Einspritztemperatur von 440–460 °C arbeitet präzise unterhalb dieser Schwelle. Das Aluminium mit 4 % in der Legierung übernimmt zudem eine passivierende Funktion: Es bildet einen Oxidfilm, der die Erosionsrate der eingetauchten Eisenteile drastisch reduziert. Die Kombination aus niedrigem Schmelzpunkt und chemischer Passivierung macht Zamak zur einzigen industriell bedeutsamen Legierung, die im Warmkammerverfahren im Dauerbetrieb verarbeitet werden kann.
Die industriellen Vorteile sind direkt und quantifizierbar: kurze Zykluszeiten (unter 3 Sekunden bei Kleinteilen), hohe Fließfähigkeit für Wanddicken bis zu 0,5 mm sowie eine Werkzeugstandzeit von mehreren Millionen Schuss (gegenüber typisch ~150.000 Schuss bei Aluminium im Kaltkammerverfahren). Unser Maschinenpark mit Warmkammer-Druckgussmaschinen nutzt diesen thermischen Vorteil vollständig aus.
Einspritztemperatur vs. Schmelztemperatur: die Überhitzung des Schmelzbades in der Maschine
Der operative Sollwert des Schmelzbades in einer Zamak-Warmkammer-Druckgussmaschine liegt typischerweise zwischen 440 und 460 °C. Dieser Bereich ist keine Schmelztemperatur: Er entspricht dem Liquidus der Legierung (~386 °C) zuzüglich einer Überhitzung (Superheat) von 50–70 °C. Die Überhitzung erfüllt drei Funktionen: Sie sichert ausreichende Fließfähigkeit für die Formfüllung auch feinster Kavitäten, kompensiert die Wärmeverluste auf dem Weg der Schmelze vom Gooseneck in die Formkavität und hält einen Sicherheitsabstand gegen vorzeitiges Erstarren im Einspritzkanal aufrecht.
Bei Micrometal erfolgt die Badtemperaturüberwachung kontinuierlich über Typ-K-Thermoelemente mit PID-geregeltem Sollwert; alle Abweichungen werden im Qualitätsmanagementsystem aufgezeichnet und rückverfolgbar dokumentiert – zertifiziert seit 1991. Diese thermische Rückverfolgbarkeit ist die Grundlage dafür, die Haftfestigkeit der galvanischen Schichtfolge Kupfer-Undercoat (Cyanid 2–5 μm) + Saürkupfer + Nickel gemäß NADCA / ASTM B633 / B841 dauerhaft zu gewährleisten: Ohne thermisch stabiles Bad scheitert selbst die beste Galvanik.
Werkzeugtemperatur und Abkühlgeschwindigkeit: Auswirkungen auf Toleranzen und Oberfläche
Die Temperaturkontrolle beschränkt sich nicht auf das Schmelzbad: Das Druckgusswerkzeug besitzt eine ebenso kritische thermische Eigendynamik. Die Starttemperatur des Werkzeugs zu Beginn einer Schichtproduktion liegt typischerweise bei ~105 °C; im kontinuierlichen Betrieb stabilisiert sich das stationäre Temperaturregime auf 150–200 °C als Gleichgewicht zwischen der vom Druckgussteil abgegebenen Wärme und der durch die Kühlkanäle abgeführten Wärme.
Die Abkühlgeschwindigkeit in den ersten Millisekunden nach dem Einspritzen überschreitet 300 °C/s. Dieser extreme Temperaturgradient erzeugt die charakteristische dichte Randschicht des Zamak-Druckgussteils: eine ~0,1–0,3 mm dicke, feinkörnige und porenfreie Zone, die die ideale Basis für galvanische und mechanische Oberflächenbehandlungen bildet.
Thermische Abweichungen am Werkzeug führen zu charakteristischen, eindeutig erkennbaren Fehlerbildern:
“`mermaid
flowchart TD
A[Zyklusstart: Werkzeug ~105 °C] –> B{Werkzeugtemperatur
im Betriebszustand}
B –>|Zu kalt <130 °C| C[Kaltschweißstellen
Unvollständige Füllung
Cold Shuts]
B –>|Optimaler Bereich
150–200 °C| D[Dichte Randschicht
Toleranzen in Spec
Gleichmäßige Oberfläche]
B –>|Zu heiß >230 °C| E[Anhaften am Werkzeug
Gasporosität
Maßabweichungen]
D –> F[Teil in Ordnung
Galvanik haftet]
C –> G[Ausschuss: Badtemperatur
erhöhen]
E –> H[Ausschuss: Werkzeug-
kühlung optimieren]
“`
Die Einhaltung des optimalen Werkzeugtemperaturbereichs von 150–200 °C ist unerlässlich, um die Maßtoleranzen im Zamak-Druckguss zu gewährleisten – typischerweise ±0,05–0,1 mm an kritischen Maßen. Die US-Patente 5,071,620 und 4,456,229 beschreiben die Auswirkungen thermischer Werkzeugabweichungen auf die Druckgussqualität im Detail.
Maximale Betriebstemperatur und Kriechrisiko: Einsatzgrenzen im Betrieb für jede Legierung
Nach der Erstarrung führt das Zamak-Druckgussteil ein thermisches „zweites Leben” im Einsatz. Hier kommt ein Konzept ins Spiel, das häufig zu Missverständnissen führt: die maximale Betriebstemperatur. Diese Grenze ist NICHT der Schmelzpunkt (~385 °C), sondern eine deutlich niedrigere Temperatur, oberhalb derer die Legierung – obwohl noch vollständig fest – unter dauerhafter Belastung plastisch kriechen kann (Kriechen = zeitabhängige Verformung unter konstanter Last).
| Legierung | T max unter Last (°C) | T max ohne Last (°C) | Kriechbeständigkeit |
|---|---|---|---|
| ZP3 (Zamak 3) | 100 | 150 | Referenzbasis |
| ZP5 (Zamak 5) | 100 | 150 | ~ZP3, jedoch +10 °C |
| ZP2 (Zamak 2) | 130 | 150 | Gut |
| ZP8 | 130 | 150 | Sehr gut (Referenz) |
Die Rangfolge der Kriechbeständigkeit lautet gemäß zinc.org und EN 12844: ZP8 ≥ ZP2 > ZP5 > ZP3. Kupfer und zusätzliches Aluminium wirken als Mischkristall- und Ausscheidungshärtungselemente, die die Versetzungsbewegung bei erhöhter Temperatur hemmen. Für Anwendungen in der Mess- und Sensortechnik mit langen Temperaturzyklen kann die Wahl von ZP8 oder ZP2 den Unterschied zwischen einem zuverlässigen Bauteil und einem maßlich instabilen Bauteil ausmachen.
Die richtige Zamak-Legierung nach thermischen und mechanischen Projektanforderungen auswählen
Die Wahl zwischen den vier ZP-Legierungen erfolgt nicht nach Standardvorgabe: Jedes Projekt besitzt ein spezifisches thermisch-mechanisches Anforderungsprofil, das auf eine bestimmte Variante hinweist. Der folgende Entscheidungsbaum fasst den Workflow zusammen, den unser Technik-Team anwendet:
“`mermaid
flowchart TD
A[Projektanforderungen definieren] –> B{Betriebstemperatur
unter Last?}
B –>|< 100 °C| C{Galvanische Oberfläche
kritisch?}
B –>|100–130 °C| D[ZP2 oder ZP8 prüfen]
B –>|> 130 °C| E[Andere Werkstoffe prüfen
oder Last reduzieren]
C –>|Ja – Ni/Cr dekorativ| F[ZP3
Maßhaltigkeit + Top-Oberfläche]
C –>|Nein – nur Lackierung| G{Mechanische Belastung?}
G –>|Gering| F
G –>|Mittel – höhere Härte| H[ZP5
Optimaler Kompromiss]
D –> I{Kriechbeständigkeit
prioritär?}
I –>|Ja| J[ZP8]
I –>|Nein, Härte prioritär| K[ZP2]
“`
In der praktischen Zusammenfassung: ZP3 ist die Wahl für Maßhaltigkeit und hochwertige galvanische Oberflächen (die vorherrschende Legierung in unseren Anwendungen im Bereich Schlösser und Sicherheitstechnik); ZP5 ist der optimale Kompromiss für mittlere Belastungen mit höherer Härte als ZP3; ZP2 wird gewählt, wenn maximale mechanische Festigkeit und Härte gefragt sind, etwa für anspruchsvolle Technische-Beschlag-Anwendungen; ZP8 ist die Legierung der Wahl für erhöhte Betriebstemperaturen und dauerhafte Kriechbeständigkeit.
Um den konkreten Fall Ihres Bauteils zu besprechen, steht unser Technik-Team für eine unverbindliche Vorabberatung zur Verfügung: Telefon +39 030 7760830.
Normative Grundlagen: EN 12844, EN 1774 und internationale Standards
Für technische Einkäufer ist die korrekte Normangabe im Angebot und im Vertrag unerlässlich, um Mehrdeutigkeiten bei Legierungsbezeichnungen zu vermeiden und die Lieferantenkonformität sicherzustellen. Die maßgeblichen Normen sind:
- EN 12844:1998 — „Zinc and zinc alloys – Castings – Specifications”. Legt chemische Zusammensetzung, mechanische Eigenschaften und Bezeichnungen von Zinkdruckgussteilen fest: ZP2, ZP3, ZP5, ZP8. Diese Norm ist für das fertige Produkt zu zitieren.
- EN 1774:1997 — „Zinc and zinc alloys – Alloys for foundry purposes – Ingot and liquid”. Begleitnorm zur chemischen Spezifikation von Barren und Flüssiglegierungen mit engeren Toleranzen als EN 12844, um Prozessschwankungen auszugleichen.
- ASTM B86 — Amerikanische Norm für Zinkdruckgussteile; die Bezeichnungen Alloy 3, Alloy 5, Alloy 2 entsprechen ZP3, ZP5 bzw. ZP2.
- ISO 301 — ISO-Norm für Zinklegierungsbarren für die Gießerei.
- ISO 9001:2015 — Qualitätsmanagementsystem, relevant für die thermische Rückverfolgbarkeit als Prozessparameter.
Micrometal ist seit 1991 nach ISO 9001 zertifiziert und dokumentiert die Badtemperaturen sowie die Werkzeugtemperaturen für jede Produktionscharge lückenlos und rückverfolgbar. Um ein technisches Angebot anzufordern oder Ihre spezifische Anwendung zu besprechen, wenden Sie sich an unser Technik-Team bei Micrometal: Die frühzeitige Abstimmung der thermischen Projektanforderungen ist der beste Weg zur optimalen Legierungswahl zwischen ZP3, ZP5, ZP2 und ZP8.

