Legierungen & Werkstoffe · 20. August 2026
Stahl vs. Zamak: den richtigen Werkstoff für Ihre Bauteile wählen
Dichte, Festigkeit, Fertigungsprozesse, Korrosionsverhalten und Kosten im Vergleich für eine fundierte Konstruktionsentscheidung.
Wenn ein Konstrukteur den Werkstoff für ein Industriebauteil festlegen muss, stellt er sich oft die falsche Frage. Es geht nicht darum, ob Stahl oder Zamak besser ist, sondern darum, welcher der beiden Werkstoffe besser zu den funktionalen, fertigungstechnischen und wirtschaftlichen Anforderungen des Bauteils passt. Der Unterschied zwischen Stahl und Zamak bei Industriebauteilen ergibt sich aus zwei unterschiedlichen Konstruktionsphilosophien: auf der einen Seite die absolute strukturelle Festigkeit, auf der anderen die geometrische Freiheit und Serienfertigungsproduktivität. In diesem Leitfaden vergleichen wir beide Werkstoffe anhand aller relevanten Parameter, um Konstrukteuren eine fundierte Entscheidung zu ermöglichen.
Stahl und Zamak: zwei Werkstoffe, zwei Konstruktionsphilosophien
Was ist Stahl
Stahl ist eine Eisen-Kohlenstoff-Legierung (mit einem Kohlenstoffgehalt in der Regel unter 2 %), die in zahlreichen Familien vorkommt: Kohlenstoffstähle, niedriglegierte Stähle, austenitische und martensitische Edelstähle, Vergütungsstähle. Die metallurgische Vielseitigkeit ist enorm und deckt Anwendungen vom preisgünstigen bis zum hochbelasteten Bereich ab. Wie im ASM Metals Handbook dokumentiert, lässt sich das Mikrogefüge durch Wärmebehandlung gezielt einstellen, um bei gleicher Zusammensetzung sehr unterschiedliche Härten und Zähigkeiten zu erzielen.
Was ist Zamak
Zamak bezeichnet eine Familie von Zink-Aluminium-Legierungen für den Druckguss, in der europäischen Klassifikation als ZP-Legierungen und historisch als Zamak bekannt. Die gängigsten Zamak-Legierungen für den Druckguss sind Zamak 3, Zamak 5, Zamak 2 und die Legierung ZP8 (~8 % Al). Zink macht etwa 90 % der Masse aus, mit Aluminium, Kupfer und Magnesium in kontrollierten Anteilen gemäß der europäischen Norm EN 12844 für Zinkdruckgusslegierungen.
Nicht “was ist besser”, sondern “was passt”
Der Schlüssel zur richtigen Wahl liegt darin, das Leistungsprofil des Werkstoffs mit den tatsächlichen Anforderungen des Bauteils abzustimmen. Ein hochbelastetes Strukturelement verlangt nach Stahl; ein komplexes elektromechanisches Bauteil, das in großen Stückzahlen mit ästhetischen Anforderungen produziert wird, findet in Zamak die optimale Lösung.
Physikalische und mechanische Eigenschaften im Vergleich
Dichte
Die Dichte von Stahl liegt bei etwa 7,85 g/cm³, während Zamak sich bei rund 6,6 g/cm³ bewegt (die aluminiumreichere Legierung ZP8 sinkt auf ~6,3 g/cm³). Dieser Unterschied macht Zamak bei gleichem Volumen leichter, muss aber stets im Verhältnis zur Bauteilgeometrie und den Belastungen betrachtet werden.
Elastizitätsmodul und Steifigkeit
Hier dominiert Stahl: Sein Elastizitätsmodul liegt bei etwa 200 GPa, gegenüber ~85-96 GPa bei typischen Zamak-Legierungen. Für Bauteile, die sich unter Last möglichst wenig verformen dürfen, bietet Stahl eine deutlich höhere strukturelle Steifigkeit.
Zugfestigkeit und Härte
Die Eigenschaften der ZP-Legierungen variieren mit der Zusammensetzung. Gemäß EN 12844 und dem NADCA Product Specification Standards weist Zamak 3 eine Rm von ~280 MPa und eine Härte von ~82 HB auf; Zamak 5 steigt dank ~1 % Kupferzusatz auf ~330 MPa und ~91 HB; Zamak 2 erreicht mit ~3 % Kupfer ~360 MPa und ~100 HB; die aluminiumreichere Legierung ZP8 erzielt ~370 MPa und ~103 HB. Gängige Kohlenstoffstähle starten bei ~370-500 MPa und übertreffen diese Werte in vergüteten Ausführungen deutlich.
Ermüdung und Temperaturverhalten
Zamak hat eine dauerhafte Einsatzgrenze von etwa 100-120°C: Oberhalb dieser Schwelle tritt Kriechen (Creep) auf, was den Einsatz in warmen, belasteten Umgebungen einschränkt. Stahl bleibt auch bei deutlich höheren Temperaturen strukturell stabil.
| Eigenschaft | Zamak (ZP3/ZP5) | Kohlenstoffstahl |
|---|---|---|
| Dichte | ~6,6 g/cm³ | ~7,85 g/cm³ |
| Elastizitätsmodul | ~85-96 GPa | ~200 GPa |
| Rm (Zugfestigkeit) | ~280-360 MPa | ~370-700+ MPa |
| Härte | ~82-100 HB | ~120-250+ HB |
| Einsatztemperatur | ≤ ~100-120°C | >> 300°C |
Fertigungsprozesse: Zinkdruckguss vs. Stahlbearbeitung
Warmkammer-Druckguss
Zamak eignet sich für den Warmkammer-Druckguss, das effizienteste Verfahren für Zinklegierungen. Der Schmelztiegel ist in die Maschine integriert, und die Schmelze wird direkt eingespritzt, mit sehr kurzen Zykluszeiten und hohen Produktionsraten. Zink/Zamak und Magnesium sind warmkammertauglich; nur Aluminium erfordert wegen seiner Reaktivität mit Eisen die Kaltkammer.
Die Bearbeitungswege des Stahls
Stahl wird dagegen durch Warm-/Kaltumformung, Drehen, Fräsen, Sandguss oder Sintern bearbeitet. Jeder dieser Wege erfordert spezifische Ausrüstung und oft mehrere aufeinanderfolgende Arbeitsschritte, bis das fertige Bauteil vorliegt.
Temperaturen und Energiebilanz
Die Zamak-Legierung schmilzt bei etwa 381-390°C und wird bei ~415-430°C eingespritzt. Stahl erfordert Schmelztemperaturen von etwa 1500°C. Der energetische Unterschied ist enorm und schlägt sich in Prozesskosten und ökologischem Fußabdruck nieder.
Einspritzung ~415-430°C →
Werkzeug ~150-200°C →
Bauteilentnahme
Werkzeuglebensdauer und Ausrüstungskosten
Die niedrigen Arbeitstemperaturen von Zamak schonen die Werkzeuge, die sehr hohe Standzeiten erreichen. Dies senkt die Stückkosten bei großen Serien, wie im NADCA Product Specification Standards aufgezeigt wird.
Geometrische Freiheit, Präzision und Oberflächengüte
Formkomplexität
Zamak ermöglicht komplexe Geometrien, Hinterschneidungen und dünne Wandstärken, die mit traditionellen Stahlbearbeitungsverfahren nur schwer zu erreichen sind. Rippen, Bohrungen, integrierte Gewinde und funktionale Details lassen sich direkt im Gussvorgang realisieren.
Toleranzen und Wiederholgenauigkeit
Der Zamak-Druckguss bietet enge Maßtoleranzen und hohe Wiederholgenauigkeit, entsprechend den in ISO 8062 vorgesehenen Güteklassen für Gussteile. Die Prozessstabilität gewährleistet homogene Losgrößen auch bei hohen Taktraten.
As-Cast-Oberfläche und Nachbearbeitung
Die As-Cast-Oberfläche von Zamak ist bereits glatt und für galvanische Veredelung mit minimaler Vorbereitung geeignet. Dies reduziert die nachfolgenden mechanischen Bearbeitungsschritte erheblich.
Wenn Stahl mehr Schritte erfordert
Ein Stahlteil mit komplexer Geometrie erfordert oft mehrere spanabhebende Arbeitsgänge und eine Wärmebehandlung. Die gesamte Zykluszeit steigt, und damit auch die Stückkosten bei großen Volumen.
Korrosionsbeständigkeit und Oberflächenbehandlungen
Natürliches Verhalten
Ungeschützter Kohlenstoffstahl ist anfällig für Oxidation (Rost) und benötigt fast immer eine Beschichtung. Edelstahl widersteht gut dank des Chromanteils, jedoch zu höheren Kosten. Zamak bietet eine mittlere natürliche Beständigkeit: Es bildet eine Schutzschicht, benötigt jedoch in aggressiven Umgebungen eine Oberflächenbehandlung.
Galvanische Beschichtungen auf Zamak
Die galvanischen Veredelungen auf Zamak beginnen mit einem Cu-Ni-Zyklus: Eine Kupfer-Grundschicht (Undercoat) ist unerlässlich, da ohne diese das Nickel das Zink angreifen würde (Quellen: NADCA, zinc.org). Über der Grundschicht werden Nickel und gegebenenfalls eine dekorative Verchromung aufgebracht, gemäß Normen wie ISO 1456 / EN 12540 / ASTM B456.
Lackierung, Verchromung und Passivierung
Zamak nimmt Lackierung, Verchromung und Chromatierung/Passivierung (ISO 4520) gut an. Zu beachten ist, dass Zamak nicht eloxierbar ist: Da es zu rund 90 % aus Zink besteht, bleibt die anodische Oxidation Aluminium und Titan vorbehalten.
Gesamtkosten: Rohstoff, Prozess und Volumen
Rohstoffkosten pro kg
Der Preis von Zink und Stahl pro kg schwankt mit den Rohstoffnotierungen. Entscheidend ist jedoch nicht der Kilopreis, sondern die Kosten des fertigen Bauteils.
Stückkosten und Werkzeugamortisation
Das Druckgusswerkzeug verursacht Anfangskosten, die sich über die Stückzahl amortisieren: Je höher die Serie, desto niedriger die Stückkosten. Bei großen Serien wird Zamak durch kurze Zykluszeiten und minimale Nachbearbeitung äußerst wettbewerbsfähig.
| Kostenfaktor | Zamak (Druckguss) | Stahl (Bearbeitung) |
|---|---|---|
| Anfängliche Ausrüstung | Werkzeug (amortisierbar) | Variabel je Verfahren |
| Stückkosten bei kleinen Volumen | Hoch (Werkzeug fällt stark ins Gewicht) | Wettbewerbsfähig |
| Stückkosten bei großen Volumen | Sehr niedrig | Steigt mit Anzahl der Schritte |
| Nachbearbeitung | Minimal | Oft zahlreich |
| Ausschuss | Im Guss wiederverwertbar | Zerspanungsabfall |
Break-even und TCO
Der Break-even-Punkt hängt vom Volumen ab: Ab einer bestimmten Stückzahl macht die Amortisation des Werkzeugs Zamak wirtschaftlicher. Bei der Berechnung der Total Cost of Ownership müssen Nachbearbeitung, Ausschuss und Materialausnutzung berücksichtigt werden. Für eine konkrete Bewertung können Sie ein Angebot für Zamak-Bauteile anfordern.
Entscheidungshilfe für Konstrukteure
Eine schnelle Checkliste hilft bei der Werkstoffwahl anhand fünf Achsen: strukturelle Belastung, Betriebstemperatur, Umgebung, Produktionsvolumen und Ästhetik.
Typische Anwendungen von Zamak
Elektromechanische Bauteile, technische Beschläge und Verbindungstechnik, nicht-strukturelle Automotive-Teile, Möbelbeschläge und Zubehör. Der Bereich Schloss- und Sicherheitstechnik ist ein anschauliches Beispiel für den etablierten Einsatz von Zamak.
Typische Anwendungen von Stahl
Strukturelemente, Wellen, hochbelastete Zahnräder, Bauteile mit hoher Ermüdungsbeanspruchung und hohen Betriebstemperaturen.
Hybride Lösungen
Häufig ist die optimale Lösung hybrid: Stahleinsätze, die in einen Zamak-Druckgusskörper eingebettet werden, kombinieren die lokale Festigkeit von Stahl mit der geometrischen Freiheit und Wirtschaftlichkeit von Zamak.
Die Micrometal-Erfahrung im Zinkdruckguss
Micrometal S.R.L. mit Sitz in Erbusco (Brescia), gegründet 1991 — 2026 seit 35 Jahren im Zinkdruckguss aktiv —, ist auf den Zinkdruckguss von Zamak spezialisiert. Das Werk verfügt über insgesamt 11 Maschinen (7 Warmkammer-Druckgussmaschinen von Agrati, Italpresse und Frech, sowie 4 Roboterzellen), mit Schließkräften zwischen 20 und 90 Tonnen.
Wir verarbeiten die vier Referenz-ZP-Legierungen — Zamak 3, Zamak 5, Zamak 2 und ZP8 — gemäß der europäischen Norm EN 12844 für Zinkdruckgusslegierungen, mit ISO 9001-zertifizierter Qualitätskontrolle und Maßprüfung mittels KMG, Mikrometer und Mikroskop.
Die vorgeschaltete Cu-Ni-Grundschichtsequenz gewährleistet dauerhafte, den dekorativen Standards entsprechende Oberflächen. Unser technisches Büro unterstützt Kunden bei der Co-Entwicklung, um Geometrie, Wandstärken und Fertigungszyklen bereits in der Frühphase zu optimieren.
Technische Revision: Marco Sega
Inhalt erstellt mit Unterstützung von Systemen der künstlichen Intelligenz und technisch durch die Redaktion überprüft. Redaktionelle Verantwortung: Micrometal S.r.l.

